Stellungnahme von AVIVO Schweiz zum Wiederaufflackern der Coronavirus-Epidemie

vom Juli 2020

Nach der ersten Welle ist vor der zweiten Welle

Das Virus ist noch da. Aber es ist nicht zu früh, eine erste Bilanz zu ziehen. Und die Ergebnisse dieser Evaluation lassen für eine zweite Welle noch nichts Gutes erahnen. AVIVO Schweiz ist als Organisation zur Verteidigung der Interessen der Betagten und Behinderten sehr besorgt. Die Schweiz ist immer noch nicht in der Lage, Schutzbedürftige angemessen zu schützen.

AVIVO Schweiz stellt fest, dass die Schweiz seit  Januar 2018 über einen Influenza-Pandemieplan verfügt.

Dieser Pandemieplan ordnet dem Bund, den Kantonen und weiteren Einrichtungen (Schulen Spitäler, Heime)  klare Verantwortungen und Massnahmen zur Vorbeugung einer Pandemie zu.

AVIVO Schweiz stellt fest, dass seit Inkrafttreten dieses Pandemieplanes (vor mehr als zwei Jahren!) auf allen Ebenen diese Verantwortungen nicht oder nur teilweise wahrgenommen worden sind und an sich selbstverständliche Massnahmen nicht oder erst zu spät ergriffen worden sind.

AVIVO Schweiz stellt fest, dass seit Februar 2020 Äusserungen und Empfehlungen des Bundesrates und der zuständigen Verantwortlichen im Bundesamt für Gesundheit in krassem Wiederspruch zu den Bestimmungen und Regelungen des gültigen Pandemieplanes standen.

AVIVO Schweiz stellt fest, dass das Eidg. Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport seit dem 18. Dezember 2018 im Besitz eines Gutachtens über den Bedarf im Bereich Koordinierter Sanitätsdienst von Prof. Dr. Thomas Zeltner war, das schwere Mängel in der Vorbereitung im Falle einer Pandemie aufdeckte. Das Gutachten und seine Empfehlungen wurden bis Januar 2020 unter Verschluss gehalten und waren somit wirkungslos.

Aufgrund dieser Feststellungen fordert AVIVO Schweiz:

  • Unverzügliche Aufnahme der Arbeiten an der Revision, Aktualisierung und Erweiterung des Influenza-Pandemieplans des Bundes.
  • Sofortige Umsetzung der Empfehlungen zur Lagerhaltung von Schutzmasken, Schutzmaterial, Medikamente, Desinfektionsmittel für Spitäler, Heime, Spitex-Dienste, Rettungsdienste usw. (gemäss Seite 60 ff. des schweizerischen Influenza-Pandemieplans)
  • Sofortige Reorganisation und Modernisierung des Informations- und Meldesystems.
  • Sofortige Schaffung eines schweizerischen Center for Disease Control and Prevention nach dem Vorbild des European Centre for Disease Prevention and Control und Zusammenarbeit mit diesem.
  • Verzicht auf den im aktuell gültigen Pandemieplan verwendeten missverständlichen Begriff des „Social Distancing“ zugunsten des Begriffs „Physical Distancing“
  • Verzicht auf die Verwendung des missverständlichen Begriffs „Risikogruppe“ zugunsten des Begriffs „Schonungsbedürftige Gruppe“.
  • Verzicht auf die Pauschalierung und Homogenisierung der älteren Bevölkerung (z. B. „65 +“).
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